







IAA TRANSPORTATION Weekly | 42/2026
Michelin, BELLE, Winduction
Michelin erweitert sein Angebot für elektrische Fahrzeugflotten um die neue Ladelösung MICHELIN EV Charge, das Forschungsprojekt BELLE sieht Depotladen als Schlüssel für die Elektrifizierung schwerer Lkw und das ETH-Zürich-Spin-off Winduction will Elektrobusse über Reifen laden – das sind unsere Top News in Woche 42 des Jahres 2026.
Michelin erweitert sein Angebot für elektrische Fahrzeugflotten um die neue Ladelösung MICHELIN EV Charge, das Forschungsprojekt BELLE sieht Depotladen als Schlüssel für die Elektrifizierung schwerer Lkw und das ETH-Zürich-Spin-off Winduction will Elektrobusse über Reifen laden – das sind unsere Top News in Woche 42 des Jahres 2026.

Michelin erweitert sein Angebot für elektrische Fahrzeugflotten um die neue Ladelösung MICHELIN EV Charge. Der Dienst ermöglicht Unternehmen über eine einheitliche Ladekarte und eine mobile App den Zugang zu mehr als 1,2 Millionen Ladepunkten in Europa. Durch die Integration in die Flottenmanagementplattform MyConnectedFleet sollen Lade- und Fahrzeugdaten zusammengeführt und die Betriebskosten elektrischer Flotten optimiert werden.
Über die App können Fahrer Ladestationen suchen, verfügbare Ladepunkte identifizieren und Fahrten planen. Eine einzige Ladekarte soll dabei den Zugang zu unterschiedlichen Ladenetzen ermöglichen. Für Flottenmanager bietet MICHELIN EV Charge eine zentrale Übersicht über die Ladekosten. Michelin verspricht transparente Preise ohne zusätzliche Netzgebühren sowie teilweise individuell ausgehandelte Ladetarife.
Durch die Verknüpfung mit MICHELIN Connected Fleet lassen sich Ladedaten mit Telematikinformationen der Fahrzeuge kombinieren. Flottenbetreiber erhalten dadurch Einblicke in Energieverbrauch, Batterieladezustände, Fahrstrecken und Ladeverhalten. Auf dieser Grundlage sollen sich kostenintensive Ladevorgänge identifizieren, Ladeprozesse optimieren und die laufenden Betriebskosten reduzieren lassen.

Das Forschungsprojekt BELLE (Betriebshofelektrifizierung – Ladeinfrastruktur und Lastmanagement in der praktischen Erprobung) ist nach mehrjähriger Forschungs- und Demonstrationsarbeit abgeschlossen. Im Mittelpunkt standen die technische und wirtschaftliche Elektrifizierung von Betriebshöfen, die Auslegung der Ladeinfrastruktur sowie die Integration batterieelektrischer Lkw in bestehende Betriebsabläufe.
Ein zentrales Ergebnis: Depotladen ist für viele Einsatzbereiche eine entscheidende Voraussetzung für den Markthochlauf elektrischer Nutzfahrzeuge. Neben leistungsfähigen Netzanschlüssen und Ladeeinrichtungen kommt insbesondere einem intelligenten Last- und Lademanagement eine wichtige Rolle zu. Die Projektergebnisse sollen Unternehmen und öffentlichen Akteuren als Grundlage für die Planung und Umsetzung elektrifizierter Betriebshöfe dienen.
Auch wirtschaftlich sieht das Forschungsteam Potenzial: Batterieelektrische Nutzfahrzeuge können bereits heute in zahlreichen Anwendungsfällen wirtschaftlich betrieben werden. Zusätzliche Einnahmemöglichkeiten ergeben sich durch die Vermarktung von THG-Quoten und die Öffnung der Ladeinfrastruktur für Dritte. Perspektivisch könnte zudem die Bereitstellung von Flexibilität für das Stromsystem die Wirtschaftlichkeit elektrifizierter Betriebshöfe verbessern.

Das Schweizer ETH-Zürich-Spin-off Winduction hat ein induktives Ladesystem entwickelt, mit dem Elektrobusse während regulärer Haltestellenaufenthalte kabellos geladen werden sollen. Anders als bei herkömmlichen Systemen erfolgt die Energieübertragung über speziell entwickelte Reifen und in die Fahrbahn eingelassene Ladeplatten. Durch den geringen Abstand zwischen den integrierten Induktionsspulen soll das System laut Unternehmen einen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent erreichen.
Gemeinsam mit Partnern entwickelt Winduction dafür stahlfreie Reifen, die eine magnetische Energieübertragung ermöglichen. Durch das wiederholte Nachladen an Haltestellen sollen künftig kleinere und leichtere Batterien ausreichen. Für eine untersuchte Buslinie zwischen dem Flughafen Zürich und Zürich Oerlikon könnten laut Berechnungen bereits zwei Ladehaltestellen auf einer Strecke mit insgesamt 24 Stationen genügen. Während eines 16-stündigen Betriebstages wären so rund drei Stunden Ladezeit möglich.
Nach ersten Tests mit einem Elektrobus-Prototyp errichtet Winduction derzeit eine Testinfrastruktur in Winterthur mit Labor und eigener Haltestelle. Für 2028 ist ein erster Pilotbetrieb mit Fahrgästen unter realen Bedingungen geplant. Die Energieübertragung soll dabei vollständig automatisch und ohne zusätzliche Handgriffe des Fahrpersonals erfolgen.