
Können Sie Ihre Position und Ihr Unternehmen kurz vorstellen?
Mein Name ist Kristoff Van Rattinghe, CEO von Sensolus. Wir sorgen dafür, dass Unternehmen den Überblick über ihre nicht stromversorgten Assets behalten. Denn während sich meist problemlos nachvollziehen lässt, wo sich die eigenen Lkw befinden, fehlt häufig die Transparenz bei Trailern, Containern oder Mehrwegbehältern, sobald sie das Verladetor verlassen.
Genau hier setzt Sensolus an: mit intelligenten, batteriebetriebenen Trackern, die speziell für Equipment ohne eigene Stromversorgung entwickelt wurden, und einer Plattform, die im gesamten Unternehmen einfach genutzt werden kann – nicht nur von der IT.
Was bedeutet der IAA TRANSPORTATION Slogan „We Deliver“ für Sie?
Für uns ist das Motto fast wörtlich zu verstehen: Zuverlässig liefern kann nur, wer weiß, wo sich die dafür benötigten Assets befinden. Denn jedes „We Deliver“-Versprechen dieser Branche – pünktlich, unbeschädigt und regelkonform – setzt Transparenz voraus, und zwar oft deutlich früher in der Lieferkette, als viele denken: beim Trailer, beim Container oder bei der Palette. Genau diesen Teil der Kette machen wir sichtbar.
Was erhoffen Sie sich von der IAA TRANSPORTATION 2026 und worauf freuen Sie sich am meisten?
Wir freuen uns vor allem auf den Austausch mit den Menschen, die diese Herausforderung aus ihrem Arbeitsalltag kennen: Straßentransport- und Logistikunternehmen mit großen Trailerflotten sowie Industrieunternehmen, die Mehrwegverpackungen und Werkzeuge verwalten.
Auch einige unserer Partner werden auf der Messe vertreten sein, wodurch sich zusätzliche gemeinsame Gespräche ergeben. Darüber hinaus bietet uns die IAA die Gelegenheit, erstmals zu zeigen, in welche Richtung wir uns weiterentwickeln – sowohl bei der Hardware als auch beim Thema KI.
Welches Thema werden Sie auf der IAA TRANSPORTATION 2026 vorstellen?
Im Mittelpunkt steht unser Flaggschiff-Tracker TRACK 1105. Er ist batteriebetrieben, kommt ohne Verkabelung und Installation aus und steuert seine Batterielaufzeit selbstständig. Außerdem erkennt er, ob sich ein Asset im Innen- oder Außenbereich befindet, und wechselt automatisch zwischen den entsprechenden Kommunikationsprotokollen.
Daneben geben wir einen ersten Einblick in den TRACK 1105 EX, unsere kommende ATEX- und IECEx-zertifizierte Variante für gefährliche und explosionsgefährdete Umgebungen. Und wir zeigen, wie wir das Thema KI weiterentwickeln – aber dazu später mehr.
In welchem Bereich des Transport- und Logistiksektors sehen Sie das größte Potenzial und wo den größten Aufholbedarf?
Der größte blinde Fleck liegt weiterhin bei dem Equipment, das nicht zum eigentlichen Fahrzeug gehört – etwa Trailern, Tankcontainern oder Mehrwegverpackungen. Rund drei bis fünf Prozent dieser Assets werden jedes Jahr am falschen Ort abgestellt oder gehen verloren.
Wenn Unternehmen jederzeit nachvollziehen können, wo sich ihr Equipment befindet, lässt sich der vorhandene Bestand um bis zu 20 Prozent besser nutzen. Dadurch müssen zugleich weniger neue Assets angeschafft werden. Das zahlt sich auch wirtschaftlich aus: Die meisten Projekte, die wir begleiten, amortisieren sich innerhalb von eineinhalb bis zweieinhalb Jahren.
Die IAA TRANSPORTATION ist die führende globale Leitplattform für Nutzfahrzeuge, Transport und Logistik. Sie bringt Innovatoren aus sämtlichen Spektren der Mobilität zusammen. Mit wem wollen Sie sich im kommenden September vernetzen und warum?
Wir möchten vor allem mit Straßentransport- und Logistikunternehmen sprechen, die große Trailerflotten betreiben, sowie mit Industrieunternehmen, die Mehrweg-Assets durch ihre Produktionsprozesse bewegen. Ebenso interessant sind für uns Unternehmen, die Equipment für Gefahrgut vermieten. Denn in all diesen Bereichen verursacht jedes Asset, das nicht auffindbar ist, unmittelbar Kosten.
Der Wandel im Transport- und Logistiksektor hin zu nachhaltigen Lösungen ist groß. Was ist Ihre Vision der Transport- und Logistikbranche in zehn Jahren?
In Zukunft werden deutlich mehr Entscheidungen ausnahmebasiert und mithilfe von KI getroffen. Die Daten liefern dafür die Grundlage, KI übernimmt die Rolle der Übersetzungsebene.
Ich gehe davon aus, dass langfristig jede Person in der operativen Praxis von einem eigenen Agenten unterstützt wird, der dabei hilft, für die jeweilige Aufgabe die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Gleichzeitig werden Einfachheit, Zuverlässigkeit und Sicherheit auch künftig die entscheidenden Voraussetzungen bleiben.
Was hat sich seit der IAA TRANSPORTATION 2026 in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Branche am stärksten verändert?
Für uns liegt die wichtigste Veränderung darin, dass Asset Tracking heute weit mehr ist als ein Gerät, das lediglich einen Standort übermittelt. Es entwickelt sich zu einer Datengrundlage, auf der andere Systeme und zunehmend auch KI aufbauen können.
Der erste und naheliegende Nutzen liegt in vielen Projekten zunächst bei Inventarisierung und Wiederauffindbarkeit – also darin, jederzeit zu wissen, wo sich ein Asset befindet. Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch erst im Laufe der Zeit: durch Transparenz über die Abläufe und über die Muster, nach denen Assets tatsächlich bewegt und genutzt werden, statt nur durch eine einzelne Momentaufnahme.
Diese Entwicklung zeigt sich auch in der gesamten Branche. Wiederverwendbare, nicht angetriebene Assets wurden bei der Digitalisierung lange eher nachrangig behandelt. Das ändert sich inzwischen – einerseits durch regulatorische Anforderungen, andererseits durch die Erkenntnis vieler Unternehmen, wie viel Potenzial verloren geht, wenn dieses Equipment nicht konsequent verfolgt wird.
Wie verändert KI Ihr Unternehmen?
Für uns ist das eine Wechselwirkung: KI braucht Daten, und Asset-Tracking-Daten brauchen KI. Deshalb verfolgen wir zwei Ansätze. Unternehmen können eine KI-Lösung nutzen, mit der sie bereits arbeiten – beispielsweise Claude, ChatGPT oder Copilot – und ihre Asset-Daten direkt damit verbinden. Alternativ können sie auf unsere eigenen einsatzbereiten Agenten zurückgreifen, die bestimmte Aufgaben automatisch übernehmen.
Ähnlich wie das iPhone und der App Store leistungsfähige Technologien für alle zugänglich gemacht haben, ohne dass dafür technisches Spezialwissen erforderlich war, verändert KI heute die Arbeit in der Produktion. Mitarbeitende können in ihren eigenen Worten nach den Informationen fragen, die für ihre Aufgabe relevant sind, und erhalten ebenso direkt eine verständliche Antwort.
Was ist die eine Botschaft, die Sie der Branche auf der IAA TRANSPORTATION 2026 mitgeben möchten?
Man kann nur steuern, was man auch sehen kann. Deshalb sollten Unternehmen ihre nicht stromversorgten Assets sichtbar machen und nicht auf die nächste große Entwicklung warten. Je früher sie damit beginnen, desto früher zahlt es sich aus.