Porträt von Dr. James Widmer, Gründer und CEO von AEM, für IAAT Voices.
Gründer und CEO von Advanced Electric Machines (AEM)

Können Sie Ihre Position und Ihr Unternehmen kurz vorstellen?

Ich bin Dr. James Widmer, Gründer und CEO von Advanced Electric Machines (AEM). Wir entwickeln und fertigen nachhaltige Elektromotoren für Nutz- und Schwerlastfahrzeuge. Unsere Motoren kommen ohne Seltene Erden aus, wodurch sie nachhaltiger sind als herkömmliche Permanentmagnet-Alternativen und zudem effizienter und leistungsstärker sind.

Seit unserer letzten Teilnahme an der IAA TRANSPORTATION im Jahr 2024 ist AEM in Europa deutlich gewachsen, hat sein Team erweitert und ist mit mehreren neuen Kunden weiter in die Serienproduktion vorgestoßen. Diese Fortschritte spiegeln sich in der Technologie und den Partnerschaften wider, die wir im September in Hannover präsentieren werden.

Dr. James Widmer
Gründer und CEO von Advanced Electric Machines (AEM)

Was bedeutet der IAA TRANSPORTATION Slogan „We Deliver“ für Sie?

Für uns verkörpert „We Deliver“ sowohl den praktischen Zweck unserer Branche – den zuverlässigen Transport von Gütern und Menschen – als auch die damit verbundene Verantwortung. Die Branche diskutiert schon seit Jahren über den Übergang zu umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln. Jetzt kommt es darauf an, dies in die Tat umzusetzen. Das bedeutet, zu beweisen, dass nachhaltige Technologien die Anforderungen an Leistung, Kosten und Integration realer Flotten bereits heute erfüllen können – und nicht erst irgendwann in der Zukunft. Genau das hat sich die AEM zum Ziel gesetzt, und genau das zeigen wir auf der IAA TRANSPORTATION 2026.

Was erhoffen Sie sich von der IAA TRANSPORTATION 2026 und worauf freuen Sie sich am meisten?

Die IAA TRANSPORTATION ist der Treffpunkt der globalen Nutzfahrzeugbranche, daher sind unsere Erwartungen hoch. Wir stellen dort zum zweiten Mal aus und kehren als deutlich etablierterer Tier-1-Zulieferer mit einer stärkeren europäischen Präsenz als noch im Jahr 2024 nach Hannover zurück. Wir freuen uns darauf, den Kontakt zu bestehenden Kunden wieder aufzunehmen, neue Kunden kennenzulernen und zu zeigen, wie weit unsere Technologie fortgeschritten ist. Vor allem freuen wir uns darauf, der Branche den nächsten Schritt unserer HDRM-Motortechnologie vorzustellen, die an unserem Stand ihr öffentliches Debüt feiern wird.

Welches Thema werden Sie auf der IAA TRANSPORTATION 2026 vorstellen?

Im Mittelpunkt unseres Messeauftritts steht ein neuer, größerer HDRM-Motor mit deutlich höherem Drehmoment als unsere bestehende HDRM-Baureihe. Er stellt die nächste Stufe unserer Strategie für Nutzfahrzeugmotoren dar und wird auf der Messe erstmals der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Daneben zeigen wir unser neues luftgekühltes Antriebssystem, das den HDRM 150 mit einem luftgekühlten Wechselrichter kombiniert und eine Flüssigkeitskühlung überflüssig macht – eine einfachere, robustere und leichter integrierbare Lösung für Off-Highway-Anwendungen.

Besucher können unsere Technologie zudem am Stand von SAF-Holland in der Praxis erleben, wo die TRAKr-E-Achse einen HDRM-150-Motor als Generator zur Energierückgewinnung nutzt. Außerdem werden wir über den aktuellen Stand unserer Partnerschaft mit SAF-Holland berichten.

In welchem Bereich des Transport- und Logistiksektors sehen Sie das größte Potenzial und wo den größten Aufholbedarf?

Das größte Potenzial liegt nach wie vor in der Elektrifizierung des Nutzfahrzeugsektors. Die Anforderungen an die Nutzlast, die Einsatzzyklen und die Erwartungen hinsichtlich der Gesamtbetriebskosten machen dieses Segment so schwer zu elektrifizieren und dessen erfolgreiche Umsetzung so wertvoll. Der dringendste Verbesserungsbedarf liegt in der Lieferkette. Ein zu großer Teil des derzeitigen E-Mobilitäts-Ökosystems hängt nach wie vor von Seltenerdmetallen ab, deren Vorkommen konzentriert und geopolitisch sensibel sind. Die Unabhängigkeit von dieser Lieferkette ist ein strategisches Erfordernis für OEMs – und genau dafür haben wir unsere Technologie entwickelt.

Die IAA TRANSPORTATION ist die führende globale Leitplattform für Nutzfahrzeuge, Transport und Logistik. Sie bringt Innovatoren aus sämtlichen Spektren der Mobilität zusammen. Mit wem wollen Sie sich im kommenden September vernetzen und warum?

Wir möchten mit Nutzfahrzeug-OEMs, Tier-1-Zulieferern, Anhänger- und Achsenherstellern sowie der Off-Highway-Branche in Kontakt treten – also mit allen, die Antriebsstränge für reale Einsatzbedingungen entwickeln oder integrieren. Außerdem möchten wir gerne Flottenbetreiber treffen, die sich mit den Gesamtbetriebskosten und der langfristigen Nachhaltigkeit auseinandersetzen und nicht nur an die anfängliche Umstellung auf Elektroantriebe denken. Und wir freuen uns darauf, Zeit mit Medienvertretern, Branchenanalysten und politischen Entscheidungsträgern zu verbringen, die den Diskurs der Branche zum Thema Elektrifizierung prägen.

Der Wandel im Transport- und Logistiksektor hin zu nachhaltigen Lösungen ist groß. Was ist Ihre Vision der Transport- und Logistikbranche in 10 Jahren?

In zehn Jahren sollten elektrische Nutzfahrzeuge in den meisten Einsatzbereichen die Regel und nicht mehr die Ausnahme sein. Ich hoffe aber auch, dass die Branche sich von einer engen Sichtweise auf Nachhaltigkeit gelöst haben wird, die bei den CO₂-Emissionen am Auspuff endet. Die Motoren, Batterien und Materialien, aus denen diese Fahrzeuge bestehen, müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg nachhaltig sein. Das bedeutet: recycelbar, aus verantwortungsvoller Beschaffung und frei von Materialien, die ökologische oder geopolitische Risiken bergen. Wenn die Branche dies richtig umsetzt, wird die Elektrifizierung ihr volles Potenzial entfalten.

Was hat sich seit der IAA TRANSPORTATION 2024 in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Branche am stärksten verändert?

Für AEM waren die Veränderungen seit der IAA 2024 erheblich. Vor zwei Jahren kamen wir nach Hannover, um uns dem deutschen Markt vorzustellen. Seitdem haben wir die zweite Generation unseres Hochleistungsmotors für Nutzfahrzeuge, den HDRM300C, vorgestellt, einen siebenstelligen Entwicklungsvertrag mit einem der weltweit größten Tier-1-Automobilzulieferer unterzeichnet und den Auftrag eines großen asiatischen OEM erhalten, unsere Aluminium-Wicklungstechnologie für Fahrzeugplattformen mit hohen Stückzahlen zu evaluieren. In Verbindung mit unserer laufenden Zusammenarbeit mit SAF-Holland hat sich AEM dadurch von einem Nischenspezialisten für Nutzfahrzeuge zu einem Zulieferer entwickelt, der in den Bereichen Nutzfahrzeuge, Off-Highway-Fahrzeuge und Serien-Pkw-Anwendungen tätig ist.

Auch die Branche insgesamt hat sich verändert. Die größte Veränderung ist die wachsende Erkenntnis, dass die Souveränität der Lieferkette ebenso wichtig ist wie die Fahrzeugemissionen. Die Unabhängigkeit von Seltenen Erden, einst ein Nischenthema, steht nun fest auf der strategischen Agenda sowohl der OEMs als auch der Tier-1-Zulieferer – ebenso wie zunehmend die Verringerung der Abhängigkeit von konzentrierten Kupfervorkommen. AEM hat für beide Bereiche Lösungen entwickelt.

Wie verändert KI Ihr Unternehmen?

Unsere Teams setzen täglich KI ein, und wir haben kürzlich unternehmensweite Schulungen durchgeführt, um das leistungsstarke Potenzial von KI-Tools optimal zu nutzen. Diese kommen in der Softwareprogrammierung für die Datenanalyse und -modellierung ebenso zum Einsatz wie zur Steigerung der Produktivität bei geschäftlichen Aufgaben und zur Überwachung von Aktivitäten in unserem CRM-System.

Was ist die eine Botschaft, die Sie der Branche auf der IAA TRANSPORTATION 2026 mitgeben möchten?

Der Umstieg von Diesel auf Elektroantrieb ist nur die Schlagzeile. Genauso wichtig ist, woraus diese Fahrzeuge bestehen, woher die Materialien stammen und was mit ihnen geschieht, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Dies ist die Generation von Nutzfahrzeugen, die die nächsten zwanzig Jahre auf den Straßen prägen wird, und wir haben jetzt die echte Chance, sie richtig zu gestalten. Die Branche braucht Motoren, die nicht von konzentrierten Lieferketten abhängig sind, Materialien, die tatsächlich recycelt werden können, und keine Rohstoffe, die anderswo auf der Welt Umweltprobleme verursachen.

Wenn wir es jetzt richtig machen, wird diese Branche auch in zwanzig Jahren noch eine Vorreiterrolle einnehmen. Wenn wir jedoch Abstriche machen, werden wir dieselben zwanzig Jahre damit verbringen, Dinge zu korrigieren, die wir von Anfang an richtig hätten machen sollen.

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