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IAA Voices zu Transformation und Leadership mit MANN+HUMMEL

MANN+HUMMEL ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Filtrationstechnologie. Die Gruppe mit Hauptsitz in Ludwigsburg entwickelt unter den beiden Geschäftsfeldern Transportation und Life Sciences & Environment intelligente Filtrations- und Separationslösungen, die eine saubere Mobilität, saubere Luft und sauberes Wasser ermöglichen. Damit leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu einer sauberen Erde und der nachhaltigen Nutzung begrenzter Ressourcen. Im Jahr 2021 erwirtschafteten über 23.000 Mitarbeiter an mehr als 80 Standorten einen Umsatz von 4,2 Mrd. EUR.

Emese Weissenbacher ist seit 2015 Geschäftsführerin Finanzen (CFO) und seit Januar 2020 stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung bei MANN+HUMMEL.

Frau Weissenbacher, Sie haben bei MANN+HUMMEL einen bilderbuchartigen Aufstieg hingelegt, sind innerhalb von 21 Jahren von der Praktikantin zur Finanzchefin aufgestiegen. War Ihnen von Anfang an klar, dass es eines Tages ganz nach oben gehen soll?

Nein, das war mir nicht klar. Denn im politischen und wirtschaftlichen System Rumäniens – meinem Geburtsland - war damals ein beruflicher Aufstieg nur mit Unterstützung der kommunistischen Partei möglich. Das war für mich nicht erstrebenswert. Als ich nach Deutschland gekommen bin, war deshalb mein einziges Ziel, eine gute Ausbildung zu absolvieren, mit der ich einen Arbeitsplatz bekomme.

In meinem Beruf haben mich seither immer zwei Prinzipien geleitet. Erstens: Ich suche immer herausfordernde Aufgaben und vermeide Routine so weit wie möglich. Zweitens: Ich gebe immer mein Allerbestes und versuche immer, exzellente Ergebnisse abzuliefern.

Dass Frauen in den deutschen Führungsetagen dramatisch unterrepräsentiert sind, ist kein Geheimnis. Sie engagieren sich seit Jahren in der Frauenförderung, unter anderem im Netzwerk “Spitzenfrauen Baden-Württemberg”, und sind zudem als Mentorin tätig. Was muss geschehen, damit mehr Frauen einen Karriereweg hinlegen, wie Sie es getan haben?

Können fängt aus meiner Sicht mit Wollen an. Frauen müssen es wollen, Führungsverantwortung zu übernehmen. Sie müssen auch überzeugt sein, dass Beruf, Karriere und Familie Hand in Hand gehen. Das wird immer stark mit der Bereitschaft, die sogenannte Extrameile zu gehen, verbunden sein. Sowohl privat als auch beruflich.

Hilfreich sind deshalb ein unterstützender Partner, eine zuverlässige Lösung für mögliche Kinderbetreuung und ein Netzwerk aus Familie und Freunden, um die täglichen Herausforderungen – wie Reisen, ad hoc länger im Büro bleiben zu müssen, Krankheitstage der Kinder – zu meistern. Außerdem braucht es einen Arbeitgeber, der Verständnis für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zeigt.

Sichtbarkeit, Mut, Neugier und Lernbereitschaft sind wichtige Eigenschaften, die nicht nur für Frauen gelten. Wenn man weiterkommen möchte, sollte man die Hand heben und mutig in neue Aufgaben und Projekte springen. Werden gute Ergebnisse abgeliefert, wird man gesehen. Auch wenn man ab und an scheitert, lernt man die eigenen Grenzen kennen – was wiederum wichtig ist, wenn man den nächsten Karriereschritt machen und sich weiterentwickeln möchte.

Ich empfehle immer, sich Mentoren und Coaches zu suchen, die bei Fragen den Weg skizzieren können. Die Entscheidung bleibt aber jedem selbst überlassen. Last but not least: Opportunismus hat in einer Führungskarriere nichts zu suchen. Die einzige Alternative ist, die eigene Meinung zu vertreten und sich klar zu positionieren. "Everybody‘s Darling“ sein zu wollen, ist eine falsche Strategie – egal ob für Frauen oder Männer. Dennoch ist es wichtig, lösungsorientiert vorzugehen, weil nur gemeinsam im Team die gesetzten Ziele erreicht werden können. 

Wie sieht Frauenförderung denn ganz konkret bei MANN+HUMMEL aus?

Wir haben unser Talentmanagement neu gestaltet. Jede Frau, die überzeugt ist, das Potenzial für eine Führungsposition zu haben, kann sich jedes Jahr für den Talentpool anmelden. Zusätzlich schreiben wir alle Stellen offiziell und weltweit aus. Jede Frau hat die gleiche Chance wie ein männlicher Kollege, eine Führungsrolle zu übernehmen.

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass wir bei MANN+HUMMEL eine Kultur haben, in der Frauen in ihrer Entwicklung nicht gehindert werden. Ich und viele andere Kolleginnen sind der beste Beweis dafür! Wenn eine Frau bei MANN+HUMMEL Karriere machen möchte, findet sie die Rahmenbedingungen dafür vor. Hierbei muss jede und jeder bereit sein, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Eine Möglichkeit, um Frauen zu ermutigen, ist, Plattformen und Netzwerke zu bilden, die einen offenen Austausch und ein voneinander Lernen ermöglichen. Wir sehen vor allem mit Blick auf Deutschland ein starkes Defizit und entsprechend Potenzial in den technischen Berufen wie R&D,  IT oder Operations. Talente sind aber nicht einfach da, es gilt hier, früh anzusetzen und bereits auf operativer Ebene Frauen bewusst zu fördern und zu entwickeln.

Auf LinkedIn schreiben Sie, dass Führungskräfte heute mehr denn je vor der Herausforderung stünden, rationale mit emotionaler Intelligenz zu verbinden - eine Fähigkeit, die gemeinhin gern Frauen zugeschrieben wird. Gibt es da einen Zusammenhang?

Ich glaube nicht. Für mich sind zwei wichtige Eigenschaften kritisch für die emotionale Intelligenz: Menschlichkeit jenseits jeglicher Hierarchieebene, Herkunft und gesellschaftlicher Stellung sowie Empathie. Ist man gewillt und in der Lage, sich in die Rolle eines anderen zu versetzen? Zeigen wir ein ehrliches und wahres Interesse an unserem Gegenüber? Beide Eigenschaften können sowohl Frauen als auch Männer besitzen, oder?

Bei MANN+HUMMEL sind Sie neben den Finanzen unter anderem auch für die Bereiche CTO/CDO zuständig. In der Vergangenheit leiteten Sie den Produktbereich für Nutzfahrzeuge. Woher rührt Ihre Begeisterung für Technologie und Fahrzeuge im Speziellen?

Ich bin eindeutig naturwissenschaftlich gepolt. In der Schule waren Mathematik, Physik und Chemie meine Lieblingsfächer. Mein Vater war Maschinenbautechniker, den ich sehr oft in der Fabrik besucht habe. Zu Hause hatte er alle technischen Herausforderungen gelöst – im damaligen Rumänien hat man sein Auto noch selbst repariert.

In Stuttgart habe ich BWL mit einem technischen Schwerpunkt studiert – Technik und Technologie begleiten mich also bereits mein Leben lang. Ich hatte einfach immer Spaß daran, neue Sachen zu lernen. Dass ich letztendlich in der Autoindustrie gelandet bin, ist eher ein Zufall. Ich fühle mich aber sehr wohl hier.

Kaum eine andere Branche steht in diesen Zeiten vor größeren Herausforderungen als die Mobilitätsbranche. Welchen Beitrag kann MANN+HUMMEL leisten, damit die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit gelingt?

Filtration ist Nachhaltigkeit. Mit unseren Produkten sorgen wir für saubere Mobilität, saubere Luft und sauberes Wasser. Das emissionsfreie Fahrzeug ist für uns keine in der Zukunft liegende Vision, vielmehr ein realistisches Ziel. Zukünftig kann ein Fahrzeug mit unseren Lösungen sogar mehr Feinstaub aus der Umgebung aufnehmen, als es emittiert. Dies ist besonders im Last Mile-Bereich ein großer Beitrag für eine nachhaltige urbane Mobilität. Und unsere Innenraumfiltersysteme sorgen durch eine erhöhte Rezirkulation auch für längere Reichweiten in E-Fahrzeugen.

Wie blicken Sie aktuell auf die Geschäftsbeziehung zwischen Automobilhersteller und Zulieferer?

Wir befinden uns aufgrund verschiedener Einflüsse wie gestörter Lieferketten, Inflation ausgelöst größtenteils durch die Pandemie sowie geopolitische Konflikte und Umstellung auf alternative Antriebstechnologien in besonders herausfordernden Zeiten. Diese erfordern in vielen Bereichen den Mut, Dinge neu zu denken. Die Transformation der Automobilindustrie wird nur gelingen, wenn wir uns gegenseitig zuhören, miteinander lernen und uns respektieren, um wirklich gemeinsam Lösungen zu finden.  

Wie viel Transformation steckt schon heute im Unternehmen MANN+HUMMEL selbst und welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Unternehmen, die wie wir bereits seit 80 Jahren bestehen, müssen sich immer wieder neu erfinden, um zu wachsen. Die aktuelle Transformation der Automobilindustrie bewegt uns dazu, unsere Kernkompetenz Filtration in neuen Bereichen anzuwenden und so unser Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Die Filtration ist nur eine, aber eine wesentliche Technologie, die das gemeinsame Ziel einer sauberen Welt erreichbar macht. Wir leben in einer Welt, die gefiltert ist.

In Bezug auf die Antriebsformen steht MANN+HUMMEL für Technologieoffenheit. Hier arbeiten wir an unterschiedlichsten Lösungen. Hinsichtlich Digitalisierung und Nachhaltigkeit haben wir sehr ambitionierte Ziele. Letztes Jahr haben wir beispielsweise unsere Carbon Zero Strategy kommuniziert und setzen diese konsequent um. Im Jahr 2030 wollen wir CO2-neutral in unserer eigenen Produktion sein. 2050 dann in unserer gesamten Wertschöpfung. Auch das Thema soziale Verantwortung haben wir und nehmen wir weiterhin sehr ernst und gewissenhaft wahr. Im Jahr 2021 sind wir dem UN Global Compact beigetreten. Dieses ist unser klares Statement zu den Zielen und Werten der Vereinten Nationen. Wir werden unseren Beitrag leisten! Die Grundlage hierfür sind die Menschen. Deshalb hat MANN+HUMMEL das Talentmanagement neu gestaltet, um die Organisation für die Transformation zu befähigen und auf die nächste Ebene zu heben.

MANN+HUMMEL wird auch einen Stand auf der diesjährigen IAA TRANSPORTATION haben. Worauf dürfen sich die IAA-Besucher dort besonders freuen?

Auf jeden Fall auf Gastfreundschaft und vielversprechende neue Produkte. Wir zeigen Filtrationslösungen für die Zukunft der Antriebssysteme – von Verbrennungsmotoren über Batteriefahrzeuge bis hin zu Brennstoffzellenantrieben. Außerdem präsentieren wir Innovationen, die eine bessere Luftqualität ermöglichen und den Service mit smarten Produkten vereinfachen. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher und den persönlichen Austausch mit unseren Kunden!

 

Gesprächspartnerin:

Emese Weissenbacher ist seit 2015 Geschäftsführerin Finanzen (CFO) und seit Januar 2020 stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung bei MANN+HUMMEL. Die Diplom-Kauffrau, die seit 1994 Teil des Unternehmens ist, verantwortet die Geschäftsbereiche IT, Finance & Controlling, HR, Technology sowie Global Business and Technical Solutions. Nach verschiedenen Operations und Business Units Positionen war die gebürtige Rumänin mit ungarischen Wurzeln zuletzt als Group Vice President Europe für insgesamt sieben Werke und etwa 3.000 Mitarbeiter in Europa verantwortlich.