Ein beladener DHL-Transporter

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Besser planen und entspannter liefern

Ein Bremer Start-up will KEP-Dienstleistern die Parkplatzsuche erleichtern und setzt dafür auf künstliche Intelligenz.

Ein Bremer Start-up will KEP-Dienstleistern die Parkplatzsuche erleichtern und setzt dafür auf künstliche Intelligenz.

Pakete ausliefern während der Hauptverkehrszeiten oder wenn generell alle Parkmöglichkeiten belegt sind – das ist weder eine Freude für den Zusteller noch für andere Verkehrsteilnehmer. Aber irgendwo muss das Auto ja stehen.

„Kurierfahrer parken einfach irgendwie, weil es nicht anders geht“, sagt Max Gath, Geschäftsführer von XTL Kommunikationssysteme. Deswegen will das Bremer Unternehmen Verkehrsdaten nutzen, um auch die Parkplatzverfügbarkeit bei der Tourenplanung zu berücksichtigen.

„Es ist natürlich immer eine Abwägung zwischen der Minimierung der gefahrenen Kilometer und der eigentlichen Fahrzeit“, erklärt Gath. So müssten Stopps etwa in einer anderen Reihenfolge abgefahren werden, als es auf dem Stadtplan logisch erscheinen würde. „Aber wir sind davon überzeugt, dass es eine Korrelation gibt. Wenn zu einer bestimmten Tageszeit viele Parkplätze zur Verfügung stehen, ist dann meistens auch weniger Verkehr“, sagt er.

Konkrete Ziele

Bei dem Projekt mit dem Namen „Park Dispo“ handelt es sich derzeit noch um eine Machbarkeitsstudie, die eine Reihe von Fragen beantworten soll. Etwa welche Auswirkungen die Berücksichtigung von Echtzeitdaten und Prognosen der Parkraumbewirtschaftung auf die Strecke und Dauer einer Tour haben. „Wir schauen uns an, um wie viel Prozent KEP-Dienste ihre Touren verkürzen können, wenn der Parksuchverkehr wegfällt und das Fahrzeug weniger im Stau steht“, sagt Gath.

Des Weiteren werde untersucht, ob so Parkplatzflächen effizienter genutzt werden können und wie viel CO2 durch das Wegfallen des Parksuchverkehrs vermieden werden kann. Das Vorhaben läuft insgesamt ein Jahr und wird mit 88.000 Euro vom Bund gefördert. Die Gesamtkosten liegen laut Gath bei circa 180.000 Euro.

Digitale Agenten verteilen Pakete

Gath beschäftigt sich bereits seit rund 15 Jahren mit der Planung und Optimierung von Routen. Er hat zu dem Thema promoviert und 2014 seine Firma XTL Kommunikationssysteme gegründet. Park Dispo sieht er als das neueste Add-on für seine Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS-Lösungen).

Das Bremer Unternehmen hat ein Dispositionssystem entwickelt, das Touren nicht nur plant, sondern auch während der Fahrt aufgrund der tatsächlichen Situation auf der Straße in Echtzeit ändert und optimiert. „Das Problem ist, dass man mit viel Aufwand eine optimale Tour zusammenstellt. Aber viele Parameter verändern sich ständig, so dass die Optimierung oft hinfällig ist, sobald das Fahrzeug das Depot verlassen hat“, sagt Gath. Solche Parameter seien etwa Staus oder neue, ungeplante Aufträge, die in die Tour integriert werden müssten.

Das klingt einfach. Doch allein bei der Routenplanung von drei Fahrzeugen und sechs Aufträgen gibt es laut Gath rein rechnerisch 43 Milliarden Möglichkeiten. „Davon sind jedoch nicht alle valide. Zum Beispiel sind hier auch Touren enthalten, bei denen die Zustellung vor der Abholung durchgeführt wird oder die Abholung auf der einen Tour und die Zustellung auf einer anderen Tour liegt“, fügt er hinzu.

Um die optimale Tour und das optimale Fahrzeug zu finden, arbeitet XTL mit sogenannten Software-Agenten oder Digital Twins. „Man kann sich das wie eine interne Ausschreibung vorstellen“, so Gath. „Die Agenten fragen bei den Fahrzeugen an, wer eine Sendung zu bestimmten Konditionen mitnehmen kann. Die Fahrzeuge schicken ein Angebot mit den Kosten und Mehrkilometern, die für die Bearbeitung der Sendung anfallen, und der Agent wählt das Beste aus.“ So könnten KEP-Dienste schnell auf Änderungen im Tagesgeschäft reagieren.

Zudem kann das System der XTL auch die Reihenfolge einer Tour bei Störungen im Ablauf anpassen. Etwa wenn sich die Verkehrssituation ändert. Laut Gath bedeutet das, „dass ein KEP-Dienst auch in diesem Fall möglicherweise zusätzliche Kilometer in Kauf nehmen muss, dafür aber eine geringe Fahrzeit hat und seine Zeitfenster besser einhalten kann.“

Erst der Anfang

In der Elektromobilität und autofreien Zonen in Innenstädten sieht Gath eine Chance für seine Lösung. Denn zusätzlich zur Route müssten auch die Besonderheiten der KEP-Fahrzeuge berücksichtigt werden. „Früher waren die Fahrzeugflotten homogener“, sagt er. „Heutzutage geht es mehr um nachhaltige Logistik. Also um Mikrodepots und heterogene Flotten mit E-Sprintern und Lastenfahrrädern. Das ist für die Planung natürlich eine Herausforderung.“

Darüber hinaus sei das Auftragsvolumen sehr volatil, beispielsweise aufgrund des wachsenden Onlinehandels im B2C-Segment, so dass Touren immer wieder angepasst werden müssten. „Wenn ich die Planung nur nach Postleitzahlen oder Liefergebieten vornehme, ist das nicht immer der beste Weg“, so Gath. Auch Paketmengen und -größen spielten eine Rolle und dass manche Sendungen schneller mit etwa einem Fahrrad zugestellt werden könnten.

Zudem könnten Touren oftmals nicht bereits am Morgen geplant werden, da auch die Anzahl von Same-Day-Bestellungen zunehme. „Da kenne ich morgens vielleicht 20 Prozent meiner Aufträge“, sagt er.

Dieses Szenario wird laut Gath immer häufiger auftreten, da der stationäre Einzelhandel nach neuen Geschäftsmodellen sucht, um mit dem Onlinehandel Schritt zu halten. Kombinierte Geschäftsmodelle, bei denen ein Kunde etwas im Geschäft anprobiert und die Ware dann nach Hause geliefert bekommt, sind seiner Meinung nach nur eine von vielen Lösungen, die von KEP-Diensten in Zukunft noch mehr Flexibilität abverlangen werden.