Ein von Quantron vom Diesel- auf Elektroantrieb umgerüsteter Lkw fährt in den Sonnenuntergang. Foto: Quantron

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Alte Riesen – leise und emissionsfrei

Die Forderung nach Dekarbonisierung macht auch vor dem Güterverkehr nicht Halt. Während im Pkw-Bereich das Angebot an rein batterieelektrischen Neuwagen bereits groß ist, sieht das bei Nutzfahrzeugen derzeit anders aus: Viele Vans, Trucks oder Busse sind noch als „Diesel“ unterwegs. Mittlerweile haben sich jedoch einige Unternehmen auf das Umrüsten von Dieselfahrzeugen fast aller Größen zu sauberen E-Fahrzeugen spezialisiert – mit speziell dafür entwickelten Elektrifizierungskits. Das schont die Umwelt und spart Kosten.

Ob Baustellenfahrzeug, Transporter für Handwerksbetriebe, Schwerlast-Sattelzugmaschine, Hecklader der Müllabfuhr oder Busse für die örtlichen Verkehrsbetriebe oder Sightseeing – für sie alle gilt: Sie können zu Fahrzeugen umgebaut werden, die nachhaltig unterwegs sind. Motor, herkömmliches Getriebe, Tanks, Ansaug- und Abgasanlage sowie Adblue-Tanks – all das wird aus dem Fahrzeug entfernt. An ihre Stelle treten Elektromotoren, Batterie und Batteriemanagementsysteme inklusive Kühl-/Heizgeräten und neue Steuergeräte.

Früher Diesel, heute Elektro: So sieht das Innenleben umgerüsteter Lkws aus Grafik: Quantron

Rüstigen Bestandsfahrzeugen bei gleicher Nutzlast und vertrautem Komfort ein zweites Leben zu verschaffen oder gleich fabrikneue Lkw-Chassis umzubauen, haben sich die neuen Akteure für die Dekarbonisierung des Güterverkehrs vorgenommen. Sie sind hoch spezialisierte Unternehmen, die konventionelle Nutzfahrzeuge sämtlicher Gewichtsklassen für fast alle Einsatzgebiete mit speziell entwickelten Bausätzen in Zero-Emission-Fahrzeuge umbauen.

Umgerüstete Diesel-Lkw sind Neufahrzeugen gleichgestellt

Vor allem deutsche Unternehmen wie Orten, Quantron, BPW, Paul Nutzfahrzeuge oder Pepper Motion bieten die Umrüstung an – egal, ob es sich um einen Crafter, Sprinter, 7,5-Tonner wie den TGL von MAN oder 15-Tonner wie den Atego von Mercedes-Benz handelt. Die Anbieter versprechen, mit einer hochwertigen und robusten Antriebs- und Batterietechnik dafür zu sorgen, dass die elektrifizierten Fahrzeuge den täglichen Praxistest reibungslos bestehen – unabhängig davon, ob das Fahrzeugkombination 3,49 Tonnen oder 44 Tonnen Gesamtzuggewicht hat oder ob es ein Transporter mit 3,5 Tonnen oder ein Lastkraftwagen mit 18 Tonnen zulässiger Gesamtmasse (zGM) ist. Die Batteriekapazität des elektrischen Antriebssystems ist skalierbar: Je nach Einsatzszenario und Bedarf der Kunden reicht sie von 80 kWh bis 720 kWh. 

Dass sich die Umrüstung zum batteriebetriebenen Nutzfahrzeug zum lohnenden Geschäftsmodell entwickelte, liegt daran, dass europaweit Klimaschutzprogramme neue Anforderungen an den schweren Straßengüterverkehr stellen. In Deutschland soll 2030 ein Drittel der Fahrleistung in diesem Segment mithilfe strombasierter Kraftstoffe oder elektrisch auf den Asphalt gebracht werden.

Ein Beitrag der SWR Landesschau Rheinland-Pfalz

Firma Orten baut Diesel-Brummis zu Elektro-LKW um

Früher Diesel, heute Elektro: Firma Orten rüstet Lkws um

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, werden von Flottenbetreibern und Herstellern Bemühungen, ihre Fahrzeuge klimaschonend auf die Straße zu schicken, nicht nur gefordert, sondern auch gefördert: Die Bundesregierung hat im August 2021 mit batterie- oder brennstoffzellenelektrischem Antrieb umgerüstete Diesel-Lkw den Neufahrzeugen gleichgestellt – und gewährt einen Zuschuss für die Umrüstung in einer Höhe von bis zu 80 Prozent der Investitionsmehrausgaben.

Umrüstung in kurzer Zeit

Die Umrüstung lohnt sich vor allem für Citylogistik und Nahverkehr, für Fahrzeuge bis zu 26 Tonnen zGM, die mit einer Batterieladung eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern zurücklegen müssen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe über den Einsatz von Batterie-Lkw im Lieferverkehr kam zu dem Ergebnis, dass bei regionalen Touren mit rund 500 Kilometern Strecke 43 Prozent der Lkw sinnvoll zu elektrifizieren sind.

Wenn sich Unternehmen für die Umrüstung ihrer Bestandsfahrzeuge entscheiden, müssen sie nicht lange auf diese verzichten: Zwischen vier und acht Wochen dauert der Umbau – je nach Fahrzeug und Anbieter. Manche der Unternehmen elektrifizieren nicht nur kundeneigene Fahrzeuge, sondern bieten bereits fertig umgerüstete Fahrzeuge zur Miete an oder verkaufen Elektrifizierungskits direkt an die OEMs für Neufahrzeuge.

Diese Sattelzugmaschine fährt jetzt elektrisch – und nachhaltig. Foto: Quantron

Gewinner eines Umbaus sind nicht nur die Unternehmen, die sich für eine Umrüstung statt für den Neukauf eines E-Fahrzeugs entscheiden, weil sie für das gleiche Budget etwa die doppelte Anzahl an Fahrzeugen elektrifizieren können, wie Robert Orten von Orten Electric-Trucks in einem Interview mit nfz.messe.com [cli1] vorrechnet. Gewinner sind wir alle, weil der Güterverkehr sowohl emissionsärmer als auch leiser wird. Vor allem aber gewinnt die Umwelt – und das nicht nur hierzulande, wie Robert Orten konstatiert. Denn jedes gebrauchte Nutzfahrzeug, das von Dieselantrieb auf Elektro umgestellt wurde, „taucht nicht mehr in Osteuropa oder Afrika als emissionsträchtiges Fahrzeug auf“.